Erzählräume für Vergangenes, Gegenwärtiges und Mögliches


Mit meiner künstlerischen Arbeit erkunde ich die Grenzen der klassischen, analogen Fotografie. Beim Betätigen des Auslösers meiner analogen Mittelformatkamera geht es mir nicht um das Dokumentieren des einen entscheidenden Augenblicks, nicht um die Momentaufnahme eines Ereignisses, das an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit stattgefunden hat. Vielmehr sind die Motive Anlass für meine Reflexionen über die Dimensionen Raum und Zeit, ihre Relativität sowie die Energie, die das Raum-Zeit-Kontinuum modelliert.


Energie verändert Strukturen, setzt Dinge in Bewegung. Licht als eine Form von Energie wird in meiner Arbeit als Fotograf sichtbar und interessiert mich daher besonders. Fotografie bietet die Möglichkeit, Lichtenergie aufzuzeichnen. In den „Lichtbildern“ finden sich Spuren eines bestimmten Moments, der sich in den Film als Material einschreibt. Doch selbst bei kurzen Belichtungszeiten ist die Aufnahme kein eingefrorener, punktueller Augenblick, sondern immer ein Zeitintervall, eine Verdichtung von Dauer. 


Durch diese Kompression von Zeit versuche ich, die Essenz jener Augenblicke zu erfassen, die oft flüchtig und ungreifbar erscheinen. Mit der künstlerischen Technik der Montage von verschiedenen Einzelbildern eines Motivs zu einer Sequenz in der Werkreihe TIME-SPACE CONTINUUM beginnt die zweite Ebene der Raum-Zeit-Auseinandersetzung. Es entstehen verschiedene Zustände eines Raums. Licht bricht sich, wird reflektiert, überlagert sich, Dinge werfen Schatten, je abhängig vom Standpunkt und vom Moment einer Aufnahme. Der Raum zeigt sich als nicht stabil, sondern fluid. 


In der Komposition der Einzelbilder zu einem Tableau wird die Zufälligkeit von Momenten sichtbar, die in einem ständigen Fluss von Bewegung und Zeitlichkeit gefangen sind. Es entsteht keine lineare Abbildung eines Ortes, keine in sich nachvollziehbare Handlung, sondern ein visuelles Geflecht. Raum und Zeit verdichten sich oder dehnen sich aus. Vergangenes scheint durch Gegenwärtiges hindurch, lässt Spuren von Geschichten aufscheinen, die hinter dem vermeintlich Sichtbaren liegen. Durch Überlagerungen, Fragmentierungen und Brüche hindurch öffnen sich entlang der Grenzen der Einzelbilder Zwischenräume, in denen diese verborgenen Ebenen aufscheinen. 


Meine Fotowerke sind somit keine Dokumentationen, sondern Erzählräume. Die Betrachtenden sind eingeladen, den Spuren zu folgen, sie mit ihren Assoziationen, Geschichten und Emotionen zu füllen, eigene Verbindungen zu knüpfen und über ihre Wahrnehmung von Zeit und Raum nachzudenken. Die Bilder ermutigen dazu, die flüchtigen Momente des Lebens zu schätzen und die tieferliegenden Bedeutungen zu erkennen, die in der Interaktion zwischen Licht, Energie und der menschlichen Erfahrung verborgen sind: Narrative, die nicht laut ausgesprochen werden, sondern im Dazwischen existieren. Indem ich die Grenzen der klassischen Fotografie überschreite, versuche ich von den Möglichkeiten des Sehens und Verstehens zu erzählen, die weit über das Sichtbare hinausgehen.






kurt_paulus

Adresse

Kurt Paulus
Mixed-Media-Kunst

Atelier:

Ottostraße 52

D-85521 Ottobrunn | München,


IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ


© Kurt Paulus Urheberrecht VG Bild-Kunst Nr. 306117

Kontakt Phone

 Phone:  +49 (0)170 93 170 63

    Kontakt

    Atelier
    E-Mail: msg@kurt-paulus.com

    Website: www.kurt-paulus.com

    Galerie
    E-Mail: contact@paulus.gallery
    Website:
    www.paulus.gallery